AMDP

Psychopathologische Beobachtungen geordnet, beschreibend und vorsichtig dokumentieren.

13 Kapitel104 UnterthemenStand 13. Juli 2026

Einleitung und Grenze

Eigenständiger Lerntext zur Einordnung des AMDP-Systems in die Ergotherapie. Er gibt keine vollständigen Definitionen, Graduierungsregeln oder Erhebungsbögen wieder und ersetzt weder Manual noch qualifizierte Schulung.

Quellen und Literatur

Das AMDP-System

Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie e. V.

Ausgabe oder Version
aktuelle Onlineinformation
Jahr
2026
Herausgabe
AMDP e. V.
Abruf
13. Juli 2026

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Das AMDP-System: Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg.)

Ausgabe oder Version
11., vollständig überarbeitete Auflage
Jahr
2023
Herausgabe
Hogrefe, Göttingen
Abruf
13. Juli 2026

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Praxisbuch AMDP

Stieglitz RD; Haug A; Kis B; Kleinschmidt S; Thiel A (Hrsg.)

Ausgabe oder Version
2., überarbeitete und erweiterte Auflage
Jahr
2023
Herausgabe
Hogrefe, Göttingen
Abruf
13. Juli 2026

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01 AMDP als Orientierungssystem 8 Unterthemen
Kern

AMDP unterstützt die systematische Beschreibung des psychopathologischen Befundes. Es ordnet Eigenangaben und beobachtbare Merkmale, ohne daraus allein eine Diagnose abzuleiten.

Anwendung

Ergotherapeutisch hilft die Ordnung, Gesprächs- und Handlungsbeobachtung präzise zu formulieren.

Grenze

Querverweise: , , .

Einordnung

AMDP unterstützt die systematische Beschreibung des psychopathologischen Befundes. Es ordnet Eigenangaben und beobachtbare Merkmale, ohne daraus allein eine Diagnose abzuleiten.

Fachlicher Kern

Standardisierte Fachsprache

Das AMDP-System unterstützt die standardisierte Erfassung und Dokumentation psychopathologischer Phänomene, körperlicher Symptome und Anamnesedaten. Kern ist ein fachlich definiertes Glossar mit Beurteilungsregeln. Das System schafft gemeinsame Sprache, stellt aber keine Diagnose automatisch her.

Bedeutung in der Ergotherapie

Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten beobachten Verhalten, Handlung, Kommunikation und Belastbarkeit in konkreten Situationen. AMDP-Begriffe können helfen, diese Beobachtungen präziser in den interprofessionellen Kontext einzuordnen, solange Zuständigkeit und Informationsquelle klar bleiben.

Ergotherapeutische Anwendung

Ergotherapeutisch hilft die Ordnung, Gesprächs- und Handlungsbeobachtung präzise zu formulieren.

Leitfragen

  • Welche Beobachtung liegt tatsächlich vor?
  • Stammt die Information aus Selbstbericht, Fremdbericht oder eigener Wahrnehmung?
  • Welche Auswirkung auf Betätigung ist zusätzlich zu beschreiben?

Dokumentation und Verlauf

AMDP-nahe Formulierungen werden zeitlich und situativ eingegrenzt. Der ergotherapeutische Befund bleibt eigenständig und verweist bei Bedarf auf ärztlich oder psychologisch erhobene Befunde.

Grenzen und Fehlerquellen

Querverweise: , , .

Dieses Buch ersetzt weder AMDP-Manual, Ratingbogen noch geschulte psychopathologische Untersuchung.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

02 Psychopathologischer Befund und Handlung 8 Unterthemen
Kern

Der psychopathologische Befund beschreibt den aktuellen psychischen Zustand. Ergotherapeutische Beobachtung ergänzt, wie sich Auffälligkeiten beim Planen, Beginnen, Durchführen und Abschließen von Betätigungen zeigen.

Anwendung

Gespräch, Handlung und Gruppensituation können unterschiedliche Informationen liefern.

Grenze

Befund ist Momentaufnahme und Verlauf, kein Etikett.

Einordnung

Der psychopathologische Befund beschreibt den aktuellen psychischen Zustand. Ergotherapeutische Beobachtung ergänzt, wie sich Auffälligkeiten beim Planen, Beginnen, Durchführen und Abschließen von Betätigungen zeigen.

Fachlicher Kern

Aktueller Zustand und Verlauf

Der psychopathologische Befund beschreibt Phänomene zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Zeitraum. Er unterscheidet sich von Diagnose, Persönlichkeit und Biografie. Für die Ergotherapie ist zusätzlich wichtig, wie sich die Phänomene bei Tätigkeiten, im Kontakt und unter Belastung zeigen.

Beobachtung und Bedeutung trennen

Beispielsweise kann eine Person lange Antwortlatenzen zeigen. Ob dies mit Denkhemmung, Unsicherheit, Müdigkeit, Sprachproblem oder einer anderen Ursache zusammenhängt, muss offen bleiben, bis weitere Informationen vorliegen.

Ergotherapeutische Anwendung

Gespräch, Handlung und Gruppensituation können unterschiedliche Informationen liefern.

Leitfragen

  • Was ist direkt beobachtbar und was ist Interpretation?
  • Wie verändert sich das Phänomen zwischen Gespräch und Tätigkeit?
  • Welche alternative Erklärung muss berücksichtigt werden?

Dokumentation und Verlauf

Gute Befunde nennen Verhalten, Situation, Dauer, Intensität und Veränderbarkeit. Deutungen werden als Hypothese markiert.

Grenzen und Fehlerquellen

Befund ist Momentaufnahme und Verlauf, kein Etikett.

Psychopathologische Begriffe dürfen nicht als Etiketten für unangepasstes oder unerwünschtes Verhalten verwendet werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

03 Bewusstsein, Orientierung und Kognition 8 Unterthemen
Kern

Beobachtet werden unter anderem Wachheit, Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis. Aussagen müssen an konkrete Situationen gebunden sein.

Anwendung

Statt „verwirrt“ wird beschrieben, welche Orientierung fehlt, welche Fehler auftreten und welche Hilfen wirken.

Grenze

Körperliche Ursachen, Medikamente, Sinnesbeeinträchtigungen und Überforderung werden mitbedacht.

Einordnung

Beobachtet werden unter anderem Wachheit, Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis. Aussagen müssen an konkrete Situationen gebunden sein.

Fachlicher Kern

Mehrere kognitive Bereiche unterscheiden

Bewusstseinslage, Orientierung, Aufmerksamkeit, Auffassung und Gedächtnis sind verschiedene Befundbereiche. Eine Person kann vollständig orientiert sein und dennoch erhebliche Aufmerksamkeitsprobleme haben. Umgekehrt kann eine situative Unsicherheit nicht ohne Prüfung als Orientierungsstörung bezeichnet werden.

Alltagsnahe Prüfung

In der Ergotherapie zeigen sich kognitive Funktionen beim Verstehen eines Auftrags, Planen einer Tätigkeit, Merken von Schritten, Wechseln der Aufmerksamkeit und Korrigieren von Fehlern. Struktur, Reizniveau und Unterstützung beeinflussen das Ergebnis.

Ergotherapeutische Anwendung

Statt „verwirrt“ wird beschrieben, welche Orientierung fehlt, welche Fehler auftreten und welche Hilfen wirken.

Leitfragen

  • Welcher kognitive Teilbereich ist konkret betroffen?
  • Welche Aufgabe und welche Hilfen wurden verwendet?
  • Ist die Auffälligkeit konstant oder belastungsabhängig?

Dokumentation und Verlauf

Beschrieben werden Aufgabe, Instruktion, Reaktion, benötigte Hilfen und funktionale Folge. Formale Testwerte werden nur bei sachgerechter Durchführung angegeben.

Grenzen und Fehlerquellen

Körperliche Ursachen, Medikamente, Sinnesbeeinträchtigungen und Überforderung werden mitbedacht.

Alltagsbeobachtungen erlauben nicht automatisch eine neuropsychologische Diagnose.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

04 Formales Denken und Sprache 8 Unterthemen
Kern

Formales Denken betrifft den Ablauf und die Ordnung von Gedanken, nicht deren inhaltliche Richtigkeit. Sichtbar werden können Verlangsamung, Umständlichkeit, Sprunghaftigkeit, Abreißen oder gedankliche Einengung.

Anwendung

In der Ergotherapie zeigt sich dies etwa bei mehrschrittigen Aufgaben, Themenwechseln und Fehlerkorrektur.

Grenze

Die genaue Terminologie wird im AMDP-Manual geprüft.

Einordnung

Formales Denken betrifft den Ablauf und die Ordnung von Gedanken, nicht deren inhaltliche Richtigkeit. Sichtbar werden können Verlangsamung, Umständlichkeit, Sprunghaftigkeit, Abreißen oder gedankliche Einengung.

Fachlicher Kern

Gedankenordnung und sprachliche Mitteilung?

Formale Denkauffälligkeiten betreffen Ablauf, Tempo, Zusammenhang und Zielgerichtetheit des Denkens, nicht den inhaltlichen Wahrheitsgehalt. Sprache gibt Hinweise, bildet Denken aber nicht vollständig ab. Kulturelle, sprachliche und situative Faktoren sind mitzudenken.

Bedeutung für Tätigkeiten

Ungeordnete, verlangsamte oder stark eingeengte Denkabläufe können Planung, Problemlösen, Kommunikation und Abschluss einer Tätigkeit erschweren. Beobachtbar sind beispielsweise häufige Themenwechsel, lange Pausen oder das Verlieren eines Handlungsziels.

Ergotherapeutische Anwendung

In der Ergotherapie zeigt sich dies etwa bei mehrschrittigen Aufgaben, Themenwechseln und Fehlerkorrektur.

Leitfragen

  • Bleibt die Äußerung beim Thema und erreicht sie ein Ziel?
  • Welche sprachlichen oder kulturellen Faktoren beeinflussen den Eindruck?
  • Wie wirkt sich der Denkablauf auf die Tätigkeit aus?

Dokumentation und Verlauf

Es werden kurze Beispiele und der Gesprächskontext beschrieben, ohne längere Äußerungen unnötig wörtlich zu speichern. Fachbegriffe werden nur bei erfüllten Kriterien verwendet.

Grenzen und Fehlerquellen

Die genaue Terminologie wird im AMDP-Manual geprüft.

Ungewöhnliche Sprache, Kreativität oder Bildungsunterschiede sind nicht automatisch formale Denkstörungen.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

05 Befürchtungen, Zwänge und Wahn 8 Unterthemen
Kern

Angst, phobische Befürchtungen, Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und wahnhafte Überzeugungen werden voneinander unterschieden. Eigenangabe, Verhalten und fachliche Einordnung bleiben getrennt.

Anwendung

Für die Therapieplanung sind Belastung, Vermeidung, Zeitverbrauch, Sicherheit und Alltagsfolgen relevant.

Grenze

Nicht über Inhalte diskutieren, als ließen sie sich durch Druck korrigieren.

Einordnung

Angst, phobische Befürchtungen, Zwangsgedanken, Zwangshandlungen und wahnhafte Überzeugungen werden voneinander unterschieden. Eigenangabe, Verhalten und fachliche Einordnung bleiben getrennt.

Fachlicher Kern

Inhalte sorgfältig differenzieren

Befürchtungen, überwertige Ideen, Zwänge und wahnhafte Überzeugungen unterscheiden sich unter anderem in Gewissheit, Korrigierbarkeit, Ich-Zugehörigkeit und Handlungswirkung. Die genaue psychopathologische Einordnung erfordert systematische Exploration und gehört nicht allein aus einer Tätigkeitsbeobachtung abgeleitet.

Handlungsfolgen beschreiben

Für die Ergotherapie ist relevant, ob Gedanken zu Vermeidung, Ritualen, Unterbrechungen, Sicherheitsverhalten oder sozialem Rückzug führen. Die Person wird nicht mit dem Inhalt konfrontiert oder überzeugt; Sicherheit und Behandlungsrahmen bleiben vorrangig.

Ergotherapeutische Anwendung

Für die Therapieplanung sind Belastung, Vermeidung, Zeitverbrauch, Sicherheit und Alltagsfolgen relevant.

Leitfragen

  • Wie stark bestimmt der Gedanke das Handeln?
  • Kann die Person Abstand gewinnen oder Alternativen erwägen?
  • Welche Aktivität wird dadurch eingeschränkt oder ritualisiert?

Dokumentation und Verlauf

Inhalte werden zurückhaltend, respektvoll und nur auftragsbezogen dokumentiert. Wörtliche Zitate bleiben kurz und dienen der Nachvollziehbarkeit.

Grenzen und Fehlerquellen

Nicht über Inhalte diskutieren, als ließen sie sich durch Druck korrigieren.

Eine ungewöhnliche Überzeugung ist nicht automatisch Wahn. Kultureller Kontext und fachärztliche Einordnung sind zu beachten.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

06 Wahrnehmung und Ich-Erleben 8 Unterthemen
Kern

Wahrnehmungsstörungen und Störungen des Ich-Erlebens benötigen besonders genaue Sprache. Es wird dokumentiert, was berichtet oder beobachtet wurde und wie sicher die Information ist.

Anwendung

Ergotherapeutisch werden Reizbelastung, Orientierung, Handlungssicherheit und Kontaktgestaltung berücksichtigt.

Grenze

Akute Gefährdung oder schwere Desorganisation wird nach dem örtlichen Behandlungskonzept weitergegeben.

Einordnung

Wahrnehmungsstörungen und Störungen des Ich-Erlebens benötigen besonders genaue Sprache. Es wird dokumentiert, was berichtet oder beobachtet wurde und wie sicher die Information ist.

Fachlicher Kern

Wahrnehmung und Ich-Erleben trennen

Wahrnehmungsstörungen betreffen Erleben in Sinnesmodalitäten. Störungen des Ich-Erlebens betreffen Grenzen, Zugehörigkeit oder Steuerung eigener Gedanken und Handlungen. Beide Bereiche werden nach AMDP anhand definierter Kriterien unterschieden.

Sicherheit und Betätigung

Auffälliges Wahrnehmungs- oder Ich-Erleben kann Konzentration, Orientierung, Vertrauen und sichere Durchführung beeinflussen. Ergotherapeutisch werden Auswirkungen beobachtet und Belastungsbedingungen angepasst; die diagnostische Exploration bleibt im zuständigen Team.

Ergotherapeutische Anwendung

Ergotherapeutisch werden Reizbelastung, Orientierung, Handlungssicherheit und Kontaktgestaltung berücksichtigt.

Leitfragen

  • Was berichtet die Person selbst und was ist nur beobachtet?
  • Welche Sinnesmodalität oder Ich-Erfahrung wird beschrieben?
  • Beeinträchtigt das Erleben aktuell Sicherheit oder Handlungsfähigkeit?

Dokumentation und Verlauf

Selbstbericht wird als solcher kenntlich gemacht. Beobachtbares Verhalten und vermutete Erklärung werden strikt getrennt.

Grenzen und Fehlerquellen

Akute Gefährdung oder schwere Desorganisation wird nach dem örtlichen Behandlungskonzept weitergegeben.

Blickverhalten, Selbstgespräche oder Irritation beweisen keine Halluzination. Medizinische, neurologische und substanzbezogene Ursachen müssen berücksichtigt werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

07 Affektivität 8 Unterthemen
Kern

Affektivität umfasst Stimmung, emotionale Schwingungsfähigkeit und Regulation. Beobachtung und Selbstbericht können voneinander abweichen.

Anwendung

Beschrieben werden Verlauf, Auslöser, Intensität, Angemessenheit und Auswirkungen auf Handlung und Beziehung.

Grenze

Begriffe wie „dramatisch“ oder „schwierig“ sind keine psychopathologischen Befunde.

Einordnung

Affektivität umfasst Stimmung, emotionale Schwingungsfähigkeit und Regulation. Beobachtung und Selbstbericht können voneinander abweichen.

Fachlicher Kern

Stimmung, Affekt und Schwingungsfähigkeit

Affektivität umfasst mehrere unterscheidbare Merkmale: länger anhaltende Stimmung, aktuell sichtbarer Affekt, emotionale Ansprechbarkeit, Intensität und Regulation. Wut oder Ärger sind zunächst emotionale Zustände; ihre psychopathologische Bedeutung ergibt sich erst aus Kontext, Ausmaß, Verlauf und Begleitmerkmalen.

Ausdruck und Erleben können abweichen

Eine Person kann innerlich starke Wut berichten und äußerlich ruhig wirken. Umgekehrt kann ein intensiver Ausdruck auftreten, ohne dass die Person ihn entsprechend beschreibt. Beobachtung und Selbstbericht werden deshalb getrennt erhoben und später zusammengeführt.

Ergotherapeutische Anwendung

Beschrieben werden Verlauf, Auslöser, Intensität, Angemessenheit und Auswirkungen auf Handlung und Beziehung.

Leitfragen

  • Welche Stimmung berichtet die Person und welcher Affekt ist beobachtbar?
  • Ist die emotionale Reaktion zur Situation nachvollziehbar und regulierbar?
  • Wie beeinflusst Wut, Angst oder Niedergeschlagenheit die Tätigkeit und Beziehung?

Dokumentation und Verlauf

Dokumentiert werden Emotion, Anlass, Intensität, Dauer, Regulation und funktionale Folge. Wertungen wie dramatisch oder schwierig werden vermieden.

Grenzen und Fehlerquellen

Begriffe wie „dramatisch“ oder „schwierig“ sind keine psychopathologischen Befunde.

Ein einzelner Gefühlsausbruch begründet keine affektive Störung. Normale Reaktionen auf Belastung müssen von psychopathologischen Phänomenen unterschieden werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

08 Antrieb und Psychomotorik 8 Unterthemen
Kern

Antrieb und Psychomotorik können vermindert, gesteigert oder qualitativ verändert sein. Tempo, Initiierung, Ausdauer und Bewegungsunruhe werden konkret beobachtet.

Anwendung

Die Aufgabe und ihr Schwierigkeitsgrad müssen zur Interpretation mitgenannt werden.

Grenze

Schmerz, Erschöpfung, Medikamente und motorische Erkrankungen sind mögliche Alternativerklärungen.

Einordnung

Antrieb und Psychomotorik können vermindert, gesteigert oder qualitativ verändert sein. Tempo, Initiierung, Ausdauer und Bewegungsunruhe werden konkret beobachtet.

Fachlicher Kern

Initiative und sichtbare Motorik unterscheiden

Antrieb betrifft die innere Energie und Initiative für Denken und Handeln. Psychomotorik beschreibt sichtbare Bewegungs- und Ausdrucksmerkmale. Eine Person kann wenig Initiative zeigen, aber motorisch unruhig sein; beide Bereiche werden getrennt beurteilt.

Tätigkeitsanalyse liefert wichtige Hinweise

Beginn, Tempo, Ausdauer, Pausen, Zielgerichtetheit und Abschluss einer Betätigung machen Antriebs- und psychomotorische Veränderungen sichtbar. Aufgabe, Interesse, Tageszeit und Medikamente können den Eindruck stark beeinflussen.

Ergotherapeutische Anwendung

Die Aufgabe und ihr Schwierigkeitsgrad müssen zur Interpretation mitgenannt werden.

Leitfragen

  • Beginnt die Person selbstständig oder erst nach wiederholter Aktivierung?
  • Ist die Motorik verlangsamt, unruhig oder situationsangemessen?
  • Wie verändert sich das Verhalten bei bedeutsamer Tätigkeit?

Dokumentation und Verlauf

Es werden konkrete Handlungsmerkmale und Bedingungen beschrieben. Begriffe wie faul oder unmotiviert werden nicht verwendet.

Grenzen und Fehlerquellen

Schmerz, Erschöpfung, Medikamente und motorische Erkrankungen sind mögliche Alternativerklärungen.

Müdigkeit, Schmerz, motorische Erkrankung, Nebenwirkungen und Umgebungsbedingungen müssen als Alternativen geprüft werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

09 Schlaf, Rhythmus und vegetative Merkmale 8 Unterthemen
Kern

Schlaf, Tagesrhythmus und vegetative Beschwerden werden überwiegend über Eigen- und Fremdangaben erfasst. Sie beeinflussen Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Tagesstruktur.

Anwendung

Ergotherapie kann Routinen, Aktivitätsbalance und alltagsnahe Struktur bearbeiten, ohne medizinische Ursachen zu übergehen.

Grenze

Ärztlich abzuklärende Beschwerden werden nicht psychologisch verkürzt.

Einordnung

Schlaf, Tagesrhythmus und vegetative Beschwerden werden überwiegend über Eigen- und Fremdangaben erfasst. Sie beeinflussen Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Tagesstruktur.

Fachlicher Kern

Grundfunktionen mit großer Alltagswirkung

Schlaf, zirkadianer Rhythmus, Appetit und weitere vegetative Merkmale beeinflussen Energie, Aufmerksamkeit und Tagesstruktur. Sie können Teil psychischer oder körperlicher Erkrankungen, Medikamentenwirkungen oder belastender Lebensbedingungen sein.

Ergotherapeutische Beobachtung im Tagesverlauf

Relevant sind Einschlaf- und Aufstehzeiten, Tagesmüdigkeit, Aktivitätsverteilung, Pausen und Regelmäßigkeit. Kleine Veränderungen der Tagesstruktur können beobachtbar werden, ohne dass die Ergotherapie medizinische Ursachen diagnostiziert.

Ergotherapeutische Anwendung

Ergotherapie kann Routinen, Aktivitätsbalance und alltagsnahe Struktur bearbeiten, ohne medizinische Ursachen zu übergehen.

Leitfragen

  • Wie sieht ein typischer Tages- und Nachtrhythmus aus?
  • Welche Betätigungen stabilisieren oder stören den Rhythmus?
  • Welche Veränderung erfordert ärztliche Rückmeldung?

Dokumentation und Verlauf

Selbstbericht, Schlafprotokoll und beobachtete Tagesleistung werden getrennt erfasst. Veränderungen werden mit Medikamenten- oder Krankheitsverlauf nur bei gesicherter Information verbunden.

Grenzen und Fehlerquellen

Ärztlich abzuklärende Beschwerden werden nicht psychologisch verkürzt.

Schlaf- und vegetative Beschwerden haben viele mögliche Ursachen. Eine rein psychische Erklärung ist ohne Abklärung unzulässig.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

10 Suizidalität und Gefährdung 8 Unterthemen
Kern

Hinweise auf Suizidalität oder Fremdgefährdung werden ernst genommen, direkt geklärt und nach den verbindlichen Abläufen der Einrichtung weitergegeben. Dokumentation bleibt sachlich und zeitnah.

Anwendung

Eine ergotherapeutische Einheit wird nicht isoliert fortgeführt, wenn akute Sicherheit ungeklärt ist.

Grenze

Dieses Kapitel ersetzt keine Krisenleitlinie oder Notfallqualifikation.

Einordnung

Hinweise auf Suizidalität oder Fremdgefährdung werden ernst genommen, direkt geklärt und nach den verbindlichen Abläufen der Einrichtung weitergegeben. Dokumentation bleibt sachlich und zeitnah.

Fachlicher Kern

Sicherheitsrelevanter Befundbereich

Hinweise auf Suizidalität oder andere akute Gefährdung erfordern unmittelbare Beachtung. Aussagen, Verhalten, aktuelle Belastung, Zugang zu Mitteln und Schutzfaktoren werden im zuständigen professionellen Rahmen geklärt. Die Einschätzung ist keine beiläufige Nebenaufgabe einer Beschäftigung.

Handeln nach Zuständigkeit und Standard

Bei konkreten Hinweisen wird die Person nicht allein gelassen und es werden unverzüglich die einrichtungsinternen beziehungsweise örtlich vorgesehenen ärztlichen und notfallbezogenen Schritte eingeleitet. Ergotherapeutische Beobachtungen werden klar an das zuständige Team weitergegeben.

Ergotherapeutische Anwendung

Eine ergotherapeutische Einheit wird nicht isoliert fortgeführt, wenn akute Sicherheit ungeklärt ist.

Leitfragen

  • Gibt es eine direkte Äußerung oder beobachtbare akute Veränderung?
  • Wer ist jetzt nach dem lokalen Standard zu informieren?
  • Welche Schutzmaßnahme ist bis zur fachlichen Übernahme erforderlich?

Dokumentation und Verlauf

Wortlaut wesentlicher Äußerungen, Zeitpunkt, Situation, eingeleitete Schritte und informierte Personen werden sachlich dokumentiert. Keine Beschönigung und keine spekulative Risikozahl.

Grenzen und Fehlerquellen

Dieses Kapitel ersetzt keine Krisenleitlinie oder Notfallqualifikation.

Dieses Kapitel ist keine Anleitung zur eigenständigen Risikodiagnostik. Im Zweifel gilt: Sicherheit herstellen und unverzüglich qualifizierte Hilfe einbeziehen.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

11 Dokumentation und Verlauf 8 Unterthemen
Kern

Dokumentiert werden Situation, Eigenangabe, Beobachtung, Einordnung, getroffene Maßnahmen und Weitergabe. Veränderungen über Zeit und unter verschiedenen Bedingungen sind besonders aussagekräftig.

Anwendung

Formulierungen bleiben überprüfbar: Was geschah, wie oft, wie lange, unter welcher Belastung und mit welcher Hilfe?

Grenze

Querverweis: .

Einordnung

Dokumentiert werden Situation, Eigenangabe, Beobachtung, Einordnung, getroffene Maßnahmen und Weitergabe. Veränderungen über Zeit und unter verschiedenen Bedingungen sind besonders aussagekräftig.

Fachlicher Kern

Momentaufnahme und Entwicklung

Ein psychopathologischer Befund ist zeitgebunden. Verlaufseinträge zeigen, welche Merkmale stabil, neu, schwankend oder rückläufig sind. Veränderungen können durch Behandlung, Umgebung, Beziehung, Tageszeit oder körperliche Faktoren beeinflusst sein.

Vergleichbare Sprache nutzen

Standardisierte Begriffe erleichtern Vergleich, wenn sie konsequent nach Manual verwendet werden. Ergänzend braucht es konkrete Beispiele und funktionale Auswirkungen, damit der Befund für das ergotherapeutische Handeln verständlich bleibt.

Ergotherapeutische Anwendung

Formulierungen bleiben überprüfbar: Was geschah, wie oft, wie lange, unter welcher Belastung und mit welcher Hilfe?

Leitfragen

  • Was hat sich seit dem letzten Beobachtungszeitpunkt verändert?
  • Sind Situation und Anforderung vergleichbar?
  • Welche Auswirkung auf Alltag oder Therapie ist neu?

Dokumentation und Verlauf

Datum, Kontext, Informationsquelle, Merkmal und Schweregrad werden nach zuständigem Standard festgehalten. Unsicherheit und nicht prüfbare Bereiche bleiben sichtbar.

Grenzen und Fehlerquellen

Querverweis: .

Eine scheinbar präzise Verlaufszahl ist wertlos, wenn unterschiedliche Kriterien oder Situationen verglichen werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

12 AMDP, ICD, ICF und COPM 8 Unterthemen
Kern

AMDP beschreibt psychopathologische Merkmale. ICD klassifiziert Diagnosen. ICF ordnet Funktionsfähigkeit und Teilhabe. COPM priorisiert bedeutsame Betätigungsprobleme aus Sicht der Person.

Anwendung

In der Fallarbeit entsteht ein Gesamtbild erst durch die begründete Verbindung dieser Perspektiven.

Grenze

Keines der Systeme ersetzt die anderen.

Einordnung

AMDP beschreibt psychopathologische Merkmale. ICD klassifiziert Diagnosen. ICF ordnet Funktionsfähigkeit und Teilhabe. COPM priorisiert bedeutsame Betätigungsprobleme aus Sicht der Person.

Fachlicher Kern

Vier Ebenen eines Falls

AMDP beschreibt psychopathologische Phänomene, ICD klassifiziert Diagnosen, ICF ordnet Funktionsfähigkeit und Kontext, COPM priorisiert Betätigungsprobleme aus Sicht der Person. Gemeinsam können sie einen Fall differenziert darstellen, wenn ihre Aussagen getrennt bleiben.

Beispielhafte Verbindung

Antriebsminderung kann im AMDP-Befund beschrieben sein. Eine depressive Störung kann als ICD-Diagnose vorliegen. Die ICF zeigt Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhabe. Das COPM kann sichtbar machen, dass etwa das morgendliche Versorgen der Kinder die wichtigste Veränderung ist.

Ergotherapeutische Anwendung

In der Fallarbeit entsteht ein Gesamtbild erst durch die begründete Verbindung dieser Perspektiven.

Leitfragen

  • Welche Ebene beantwortet welche Frage?
  • Woher stammt jede Information?
  • Wie führt die Kombination zu einem konkreten Betätigungsziel?

Dokumentation und Verlauf

Eine mehrspaltige Fallübersicht verhindert Vermischung. Am Ende steht eine begründete ergotherapeutische Hypothese, nicht eine bloße Sammlung von Fachbegriffen.

Grenzen und Fehlerquellen

Keines der Systeme ersetzt die anderen.

Mehr Instrumente bedeuten nicht automatisch mehr Qualität. Verwendet wird nur, was Auftrag und Entscheidung tatsächlich unterstützt.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

13 Grenzen und Quellengebrauch 8 Unterthemen
Kern

Die vollständige Terminologie, Definitionen, Erhebungsregeln und Beurteilungskriterien gehören in das AMDP-Manual und in qualifizierte Fortbildung.

Anwendung

Diese Seite vermittelt nur eine ergotherapeutische Orientierung und reproduziert keine geschützten Bögen.

Grenze

Bei Unsicherheit wird der Originalbegriff nachgeschlagen und im Team abgestimmt.

Einordnung

Die vollständige Terminologie, Definitionen, Erhebungsregeln und Beurteilungskriterien gehören in das AMDP-Manual und in qualifizierte Fortbildung.

Fachlicher Kern

Manualgebundene Begriffe

AMDP-Merkmale besitzen definierte Bedeutungen, Abgrenzungen und Graduierungsregeln. Freie Umdeutungen schwächen die Vergleichbarkeit. Das autorisierte Manual und qualifizierte Schulung bleiben deshalb die Grundlage einer formalen Anwendung.

Ergotherapeutische Zuständigkeit

Ergotherapeutische Fachkräfte können relevante Beobachtungen beitragen und standardisierte Sprache verstehen. Diagnosestellung, vollständige psychopathologische Untersuchung und Gefährdungsbeurteilung richten sich nach Qualifikation, Auftrag und institutioneller Zuständigkeit.

Ergotherapeutische Anwendung

Diese Seite vermittelt nur eine ergotherapeutische Orientierung und reproduziert keine geschützten Bögen.

Leitfragen

  • Nutze ich den Begriff nach definierter Bedeutung?
  • Liegt die Beurteilung in meiner Zuständigkeit?
  • Muss ich Beobachtung weitergeben statt selbst abschließend einordnen?

Dokumentation und Verlauf

Quellen werden allgemein mit Autorenschaft, Titel, Ausgabe, Jahr, Verlag oder Institution und URL angegeben. Proprietäre Definitionen werden nicht umfangreich kopiert.

Grenzen und Fehlerquellen

Bei Unsicherheit wird der Originalbegriff nachgeschlagen und im Team abgestimmt.

Diese frei zugängliche Zusammenfassung darf nicht als Ersatz für das geschützte Manual oder eine Fortbildung ausgegeben werden.

Quellenbasis: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie; Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (Hrsg. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

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