Neuropsychologie und Alltag

Kognitive Funktionen, beobachtbare Alltagsfolgen und ergotherapeutische Befundlogik.

12 Kapitel114 UnterthemenStand 13. Juli 2026

Einleitung und Grenze

Eigenständige Lernzusammenfassung. Sie übernimmt keine geschützten Tests, Arbeitsblätter oder Normwerte und ersetzt keine neuropsychologische Diagnostik.

Quellen und Literatur

Neuropsychologisches Befundsystem für die Ergotherapie

Götze R; Zenz K

Ausgabe oder Version
3. Auflage
Jahr
2010
Herausgabe
Springer Medizin
Abruf
13. Juli 2026

Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF)

Weltgesundheitsorganisation; deutsche Fassung DIMDI

Ausgabe oder Version
deutsche Fassung
Jahr
2005
Herausgabe
DIMDI/WHO
Abruf
13. Juli 2026
01 Orientierung und Befundlogik 11 Unterthemen
Kern

Neuropsychologische Befundung verbindet Funktionsprüfung, Alltagsbeobachtung, Eigenbericht und Kontext.

Anwendung

Sie hilft, relevante Betätigungsprobleme zu erklären und Therapieziele zu begründen.

Grenze

Ein Screening liefert Hinweise, keine vollständige fachneuropsychologische Diagnose.

Befundebenen

Funktion

Welche kognitive oder perzeptive Leistung ist auffällig?

Aktivität

Bei welcher Handlung zeigt sich die Schwierigkeit?

Teilhabe

Welche Rolle oder Lebenssituation wird beeinträchtigt?

Kontext

Welche Umweltbedingungen verstärken oder vermindern das Problem?

Beobachtungsqualität

Mehrere Quellen

Eigenbericht, Angehörigenbericht, strukturierte Aufgabe und natürliche Alltagssituation miteinander vergleichen.

Vertiefung

Von der Beobachtung zur Hypothese

Neuropsychologische Auffälligkeiten werden nicht aus einem einzelnen Fehler abgeleitet. Zunächst wird beschrieben, was unter welchen Bedingungen geschieht, welche Hilfen wirken und ob das Muster wiederholbar ist.

Differenziallogik

Ein Leistungsproblem kann aus Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Exekutivfunktionen, Motorik, Schmerz, Fatigue oder emotionaler Belastung entstehen. Aufgaben werden so variiert, dass konkurrierende Erklärungen geprüft werden.

Ergotherapeutischer Fokus

Die Befundlogik endet bei der Frage, wie die Auffälligkeit eine konkrete Betätigung beeinflusst und welche Veränderung dort wirksam und alltagstauglich ist.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

02 Awareness und Krankheitseinsicht 10 Unterthemen
Kern

Awareness bezeichnet die Wahrnehmung eigener Veränderungen und ihrer Folgen.

Anwendung

Sie beeinflusst Zielarbeit, Sicherheit, Kompensation und Lernbereitschaft.

Grenze

Fehlende Einsicht ist nicht automatisch Verweigerung und kann störungsbedingt sein.

Ebenen

Intellektuelle Awareness

Wissen, dass eine Störung besteht.

Emergente Awareness

Eine Schwierigkeit während der Handlung bemerken.

Antizipatorische Awareness

Probleme vor Beginn einer Handlung vorhersagen und planen.

Vorgehen

Abgleich

Selbstprognose, tatsächliche Performance und Nachbesprechung respektvoll vergleichen.

Vertiefung

Begriffe unterscheiden

Awareness bezeichnet das Erkennen eigener Schwierigkeiten und ihrer Auswirkungen. Krankheitseinsicht umfasst zusätzlich die Einordnung als behandlungsbedürftige Störung. Beides kann je nach Situation und Anforderung schwanken.

Befund

Selbsteinschätzung, tatsächliche Ausführung und Rückmeldung anderer werden vorsichtig verglichen. Direkte Konfrontation kann Abwehr verstärken; konkrete, gemeinsam beobachtete Situationen sind meist hilfreicher.

Intervention

Video, Vorher-Nachher-Vergleich, Fehlerprotokolle und angeleitete Selbsteinschätzung können die Wahrnehmung unterstützen. Ziel ist nicht Zustimmung zu einer Diagnose, sondern sichereres und selbstständigeres Handeln.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

03 Sensorik und Wahrnehmung 8 Unterthemen
Kern

Sensorische Aufnahme und zentrale Wahrnehmungsverarbeitung müssen unterschieden werden.

Anwendung

Die Differenzierung verhindert, dass eine Handlungsschwierigkeit vorschnell als motorisches oder kognitives Problem eingeordnet wird.

Grenze

Bei unklaren primärsensorischen Störungen sind ärztliche und fachspezifische Abklärungen erforderlich.

Modalitäten

Visuell

Gesichtsfeld, Kontrast, Objekt- und Formerkennung, visuelle Suche.

Auditiv

Hörfähigkeit, Geräuscherkennung, Richtungshören, Sprachverstehen.

Somatosensorisch

Berührung, Schmerz, Temperatur, Propriozeption und taktile Diskrimination.

Vertiefung

Von der Reizaufnahme zur Bedeutung

Sensorik bezeichnet die Aufnahme von Reizen durch Sinnesorgane und Rezeptoren. Wahrnehmung umfasst deren Auswahl, Verarbeitung und Deutung. Eine intakte Sehschärfe bedeutet daher noch nicht, dass Gegenstände sicher erkannt oder in einer komplexen Szene gefunden werden.

Befundfragen

Geprüft wird, ob Reize überhaupt ankommen, ob sie lokalisiert und unterschieden werden und ob ihre Bedeutung erkannt wird. Aufgaben sollten jeweils nur wenige Anforderungen verändern, damit sensorische, aufmerksamkeitsbezogene und kognitive Ursachen unterscheidbar bleiben.

Alltagsbezug

Relevant sind etwa das Erkennen von Kleidung, das Finden von Gegenständen, der sichere Umgang mit Temperatur, das Dosieren von Kraft und die Orientierung bei Geräuschen. Kompensationen können Kontrast, Beleuchtung, Anordnung, zusätzliche Sinneskanäle und feste Suchstrategien nutzen.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

04 Neglect und Extinktion 11 Unterthemen
Kern

Neglect ist eine Aufmerksamkeitsstörung gegenüber einer Raum- oder Körperseite; Extinktion zeigt sich bei gleichzeitiger beidseitiger Reizung.

Anwendung

Beide Störungen können Sicherheit, Körperpflege, Mobilität, Lesen, Essen und Objektgebrauch erheblich beeinflussen.

Grenze

Neglect ist nicht dasselbe wie Gesichtsfeldausfall. Beide können gemeinsam auftreten.

Modalitäten

Raumbezogen

visuell, akustisch oder somatosensorisch.

Körperbezogen

Vernachlässigung der eigenen Körperseite.

Motorisch

verminderte spontane Nutzung trotz vorhandener Bewegungskapazität.

Repräsentational

Vernachlässigung einer Seite in inneren Vorstellungen.

Alltagsbeobachtung

Sicherheit

Kollisionen, ausgelassene Körperpflege, Essen nur einer Tellerhälfte, Übersehen von Gegenständen oder Personen.

Vertiefung

Erscheinungsformen

Neglect ist eine aufmerksamkeitsbezogene Vernachlässigung einer Raum- oder Körperseite. Extinktion bedeutet, dass ein Reiz bei gleichzeitiger beidseitiger Darbietung nicht wahrgenommen wird, obwohl er einzeln erkannt werden kann.

Alltagsrisiken

Möglich sind Kollisionen, Auslassen einer Körperhälfte beim Waschen, Übersehen von Speisen, Fehler beim Lesen oder unsichere Transfers. Die Ausprägung kann je nach Müdigkeit, Reizdichte und Aufgabenart schwanken.

Intervention

Visuelle Suchstrategien, markierte Ankerpunkte, systematisches Drehen, günstige Platzierung und aktive Einbeziehung der betroffenen Seite werden in realen Tätigkeiten geübt. Sicherheit bleibt vorrangig.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

05 Räumliche Leistungen 8 Unterthemen
Kern

Räumliche Leistungen umfassen Wahrnehmung, Orientierung, Konstruktion und Navigation.

Anwendung

Sie sind für Ankleiden, Bauen, Schreiben, Wegefinden, Werkzeuggebrauch und Haushaltsaktivitäten zentral.

Grenze

Fehler können aus Sehen, Aufmerksamkeit, Praxis, Gedächtnis oder Exekutivfunktionen entstehen.

Teilbereiche

Räumlich-visuell

Lage, Abstand, Richtung, Form und Verhältnis erkennen.

Räumlich-konstruktiv

Teile planvoll zu einer räumlichen Gestalt zusammenfügen.

Topographisch

Orte, Wege und räumliche Beziehungen finden und erinnern.

Vertiefung

Teilbereiche räumlicher Verarbeitung

Räumliche Leistungen umfassen die Wahrnehmung von Lage, Richtung, Entfernung, Größe und Beziehungen zwischen Gegenständen. Dazu gehören die Orientierung am eigenen Körper, im Nahraum und in größeren Umgebungen sowie das gedankliche Drehen und Zusammensetzen von Formen.

Beobachtung im Alltag

Hinweise können beim Ankleiden, Tischdecken, Abschätzen von Abständen, Lesen eines Plans, Finden eines Raumes oder beim sicheren Greifen auftreten. Fehler sollten danach unterschieden werden, ob Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Planung oder Motorik beteiligt sind.

Therapeutische Konsequenz

Aufgaben werden zunächst übersichtlich, kontrastreich und mit eindeutigen Bezugspunkten angeboten. Danach werden Hilfen schrittweise reduziert und Strategien in echte Alltagssituationen übertragen.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

06 Aufmerksamkeit 9 Unterthemen
Kern

Aufmerksamkeit steuert Auswahl, Aufrechterhaltung und Wechsel der Informationsverarbeitung.

Anwendung

Therapieplanung muss Dauer, Ablenkung, Doppelaufgaben und Ermüdung berücksichtigen.

Grenze

Aufmerksamkeitsprobleme können durch Schmerz, Schlafmangel, Medikamente, Depression oder Überforderung mitbedingt sein.

Komponenten

Aktivierung und Vigilanz

allgemeine Reaktionsbereitschaft und Wachheit.

Daueraufmerksamkeit

über längere Zeit bei einer Aufgabe bleiben.

Selektivität

relevante Reize wählen und Ablenkungen hemmen.

Teilung und Wechsel

mehrere Anforderungen koordinieren oder flexibel umschalten.

Vertiefung

Aufmerksamkeitskomponenten

Unterschieden werden Aktivierungsniveau, fokussierte, selektive, geteilte und länger aufrechterhaltene Aufmerksamkeit sowie der flexible Wechsel zwischen Aufgaben. Diese Komponenten können unterschiedlich stark beeinträchtigt sein.

Alltagsbeobachtung

Typische Situationen sind Gespräche bei Hintergrundgeräuschen, Kochen mit mehreren Arbeitsschritten, Lesen, Straßenverkehr oder das Wiederaufnehmen einer Tätigkeit nach Unterbrechung.

Intervention

Zunächst werden Dauer, Reizmenge und Zahl paralleler Anforderungen angepasst. Strategien wie Selbstinstruktion, Checklisten, feste Ablageorte und geplante Pausen werden direkt in bedeutsamen Tätigkeiten geübt.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

07 Gedächtnis und Orientierung 12 Unterthemen
Kern

Gedächtnis umfasst Aufnahme, Enkodierung, Speicherung, Abruf und die zukünftige Umsetzung von Absichten.

Anwendung

Alltagsrelevant sind nicht nur Tests, sondern das Erinnern von Terminen, Handlungsschritten, Orten und Absprachen.

Grenze

Vergessen kann aus Aufmerksamkeits-, Sprach-, Exekutiv- oder emotionalen Problemen entstehen.

Systeme

Arbeitsgedächtnis

Information kurzfristig halten und bearbeiten.

Episodisch

persönliche Ereignisse und zeitliche Zusammenhänge.

Semantisch

Wissen, Begriffe und Bedeutungen.

Prozedural

gelernte Fertigkeiten und Routinen.

Prospektiv

eine Absicht zum richtigen Zeitpunkt ausführen.

Kompensation

Hilfsmittel

Kalender, Smartphone, Beschriftung, feste Orte, Routinen und externe Schrittfolgen.

Vertiefung

Gedächtnissysteme

Für den Alltag bedeutsam sind Arbeitsgedächtnis, episodisches und semantisches Langzeitgedächtnis sowie prozedurales Lernen. Eine Person kann neue Fakten schlecht behalten und dennoch Routinen durch wiederholtes Tun erwerben.

Orientierung

Orientierung betrifft Zeit, Ort, Situation und Person. Fehler können durch Gedächtnisstörung, Aufmerksamkeitsprobleme, Wahrnehmung, Sprache, Delir oder ungewohnte Umgebung entstehen.

Alltagskompensation

Kalender, Beschriftungen, feste Plätze, Smartphone-Erinnerungen und fehlerarmes Lernen werden gemeinsam erprobt. Entscheidend ist, dass die Hilfe im tatsächlichen Alltag verfügbar und einfach genug ist.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

08 Exekutive Funktionen 11 Unterthemen
Kern

Exekutive Funktionen koordinieren zielgerichtetes Handeln in neuen oder komplexen Situationen.

Anwendung

Sie sind besonders bei mehrschrittigen Alltagsaufgaben und selbstständiger Therapieumsetzung bedeutsam.

Grenze

Gute Leistung in klar strukturierten Tests schließt Probleme im unstrukturierten Alltag nicht aus.

Kernfunktionen

Zielbildung und Planung

Schritte, Zeit, Material und Reihenfolge vorausdenken.

Inhibition

voreilige oder unpassende Reaktionen hemmen.

Flexibilität

Strategie wechseln und Fehler korrigieren.

Monitoring

Handlungsverlauf und Ergebnis überwachen.

Beobachtung

Offene Aufgabe

Planung, Beginn, Reihenfolge, Materialsuche, Fehlerreaktion, Abschluss und Selbstbewertung erfassen.

Vertiefung

Zentrale Funktionen

Exekutive Funktionen steuern Zielbildung, Planung, Initiierung, Hemmung, Wechsel, Überwachung und Korrektur von Handlungen. Schwierigkeiten zeigen sich besonders bei neuen, mehrschrittigen oder wenig strukturierten Aufgaben.

Befund

Alltagsnahe Aufgaben sind häufig aussagekräftiger als reine Papier-Bleistift-Tests. Beobachtet werden Startverhalten, Reihenfolge, Zeitmanagement, Umgang mit Ablenkung und selbstständige Fehlerkorrektur.

Intervention

Externe Struktur, Checklisten, feste Stopppunkte, Selbstinstruktion und Nachbesprechung unterstützen die Ausführung. Hilfen werden so gestaltet, dass die Person sie später selbst auslösen kann.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

09 Apraxie und Handlungswissen 8 Unterthemen
Kern

Apraxie bezeichnet eine Störung gelernter zweckmäßiger Handlungen, die nicht allein durch Lähmung, Sensibilitätsstörung oder mangelndes Verständnis erklärbar ist.

Anwendung

Sie kann Gesten, Objektgebrauch und mehrschrittige Alltagshandlungen betreffen.

Grenze

Die Einordnung erfordert Abgrenzung zu Aphasie, Neglect, Ataxie, Demenz und primär motorischen Störungen.

Beobachtungen

Gesten

bedeutungsvolle oder bedeutungslose Gesten auf Aufforderung, Imitation und spontan.

Objekte

Auswahl, Griff, Orientierung, Bewegungsmuster und Zweckgebrauch.

Handlungsfolgen

Reihenfolge, Auslassungen, Wiederholungen, Objektverwechslungen und Korrekturen.

Vertiefung

Erscheinungsbild

Bei einer Apraxie können gelernte, zielgerichtete Handlungen trotz ausreichender Kraft und elementarer Beweglichkeit fehlerhaft sein. Möglich sind falsche Reihenfolgen, räumliche Fehler, ungeeignete Werkzeugnutzung oder das Auslassen von Handlungsschritten.

Differenzierung

Vor einer Einordnung werden Sprachverständnis, Aufmerksamkeit, Objektkenntnis, Sensibilität und motorische Voraussetzungen geprüft. Eine Handlung kann außerdem durch ungewohnte Umgebung oder zu viele parallele Anforderungen scheitern.

Intervention

Wirksam sind reale Gegenstände, klare Handlungskontexte, reduzierte Auswahl, Vormachen, taktile Führung und wiederholtes Üben bedeutsamer Routinen. Hilfen werden möglichst konstant eingesetzt und anschließend schrittweise abgebaut.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

10 Handlungsanalyse und Performance 10 Unterthemen
Kern

Performance zeigt sich in der tatsächlichen Ausführung einer konkreten Betätigung unter bestimmten Bedingungen.

Anwendung

Sie verbindet neuropsychologische Funktionen mit beobachtbarer Alltagskompetenz.

Grenze

Eine einzelne Aufgabe darf nicht vorschnell verallgemeinert werden.

Beobachtungskategorien

Effektivität

Wird das Ziel erreicht?

Effizienz

Wie hoch sind Zeit-, Kraft- und Aufmerksamkeitsaufwand?

Sicherheit

Entstehen Risiken oder Beinahefehler?

Selbstständigkeit

Welche Hinweise, Hilfen oder Kompensationen werden benötigt?

Zufriedenheit

Wie bewertet die Person die Ausführung?

Vertiefung

Analyseebenen

Eine Handlung wird in Ziel, Reihenfolge, motorische und prozessbezogene Anforderungen, benötigte Gegenstände, Umweltbedingungen und soziale Erwartungen zerlegt. Gleichzeitig bleibt die Gesamtbedeutung der Tätigkeit erhalten.

Performance beobachten

Relevant sind Effizienz, Sicherheit, Selbstständigkeit und Zufriedenheit. Beobachtet wird, wann ein Problem beginnt, welche Hilfe wirkt und ob die Person Fehler selbst erkennt und korrigiert.

Ableitung

Aus der Analyse folgt eine gezielte Veränderung: Aufgabe vereinfachen, Umgebung ordnen, Strategie vermitteln, einzelne Fertigkeit trainieren oder ein Hilfsmittel einsetzen. Die Wirkung wird erneut in der vollständigen Tätigkeit geprüft.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

11 Ziele, Therapie und Kompensation 9 Unterthemen
Kern

Therapie kann Funktionen trainieren, Strategien aufbauen, Umwelt anpassen und bedeutungsvolle Aktivitäten üben.

Anwendung

Ziele sollten an realen Betätigungen, Sicherheit und Teilhabe ausgerichtet sein.

Grenze

Reines Funktionstraining garantiert keinen Transfer in den Alltag.

Interventionslogik

Restitution

gezieltes Üben beeinträchtigter Funktionen.

Kompensation

andere Wege oder Hilfsmittel nutzen.

Adaptation

Aufgabe, Umgebung, Material oder soziale Unterstützung verändern.

Transfer

Strategien in verschiedenen Alltagssituationen anwenden und überprüfen.

Vertiefung

Drei Ansatzpunkte

Therapie kann beeinträchtigte Funktionen üben, die Ausführung einer konkreten Tätigkeit trainieren oder durch Kompensation ermöglichen. Häufig werden diese Ansätze kombiniert.

Auswahl

Restitution ist sinnvoll, wenn Veränderung plausibel und für die Betätigung relevant ist. Kompensationen sind angezeigt, wenn Sicherheit, Selbstständigkeit oder Teilhabe sonst nicht erreichbar wären. Dazu gehören Strategien, Hilfsmittel und Umweltanpassungen.

Transfer

Eine Verbesserung in der Übung gilt erst dann als alltagswirksam, wenn die Person sie in wechselnden Situationen selbstständig nutzt. Deshalb werden Kontext, Reizlage, Zeitdruck und soziale Anforderungen schrittweise variiert.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

12 Interdisziplinäre Abgrenzung und Zusammenarbeit 7 Unterthemen
Kern

Ergotherapeutische Befundung ergänzt die Diagnostik anderer Berufsgruppen durch den Fokus auf Handlung und Alltag.

Anwendung

Eine gemeinsame Sprache verbessert Zielabstimmung und vermeidet widersprüchliche Anforderungen.

Grenze

Fachfremde Diagnostik und geschützte Testverfahren dürfen nicht unqualifiziert ersetzt werden.

Zusammenarbeit

Weiterleitung

Bei Hinweisen auf Gesichtsfeldstörung, Aphasie, schwere Gedächtnisstörung, akute Wesensänderung oder Gefährdung gezielt weiterleiten.

Rückmeldung

Beobachtbare Alltagsfolgen, Hilfebedarf und wirksame Strategien präzise mitteilen.

Vertiefung

Gemeinsamer Gegenstand, unterschiedliche Perspektiven

Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Medizin, Pflege und Sozialarbeit betrachten teilweise dieselbe Alltagssituation, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Ergotherapie fokussiert die Ausführung bedeutungsvoller Betätigungen und deren Anpassung.

Gute Zusammenarbeit

Ziele, Beobachtungen und Maßnahmen werden in verständlicher Form ausgetauscht. Überschneidungen sind sinnvoll, wenn Rollen geklärt und widersprüchliche Anweisungen vermieden werden. Besonders wichtig sind gemeinsame Prioritäten, einheitliche Sicherheitsregeln und eine abgestimmte Hilfsmittelnutzung.

Grenze

Diagnostik oder Behandlung außerhalb der eigenen Qualifikation wird nicht übernommen. Auffälligkeiten werden fachlich beschrieben und zur zuständigen Berufsgruppe weitergeleitet.

Quellenbasis: Götze/Zenz; ICF; eigene Zusammenfassung. Vollständige Angaben stehen im Quellenfenster des Buches.

NEigene Notiz

Alle internen Fundstellen

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